Sportverein 07 Milz

++ Winterpausen-Bilanz ++

Daniel Eppler, 07.01.2020

++ Winterpausen-Bilanz ++

Damit dürften die Wenigsten vor der Saison gerechnet haben: Fußball-Kreisoberligist Milz überwintert auf dem zweiten Tabellenplatz. Auch dank eines starken Rückhalts. In der Winterpause- Bilanz spricht Daniel Eppler, Torwart und Vorsitzender des SV 07 Milz, über ein Spiel, das er nie vergessen wird, auf was es in der zweiten Saisonhälfte ankommt, und seine Zeit als Thüringer Auswahlspieler.

 

Herr Eppler, die Saison ist vorerst auf Eis gelegt. Milz überwintert auf Rang zwei, ist das einzige Team unter den ersten Fünf aus dem Landkreis Hildburghausen. Fühlt sich doch gut an, oder?

Die Tabelle liest sich natürlich gut, allerdings ist dieser zweite Platz nicht mehr als eine Momentaufnahme. Kaufen können wir uns davon nichts.

In der vergangenen Saison lag Ihr Team zur Winterpause auf dem letzten Rang, nun auf Platz zwei. Wie kommt dieser Quantensprung zustande? Inwiefern spielt dieses verrückte Relegationsspiel gegen Häselrieth nach wie vor eine Rolle?

Am Ende gibt es natürlich mehr Faktoren für den Erfolg als nur dieses eine Spiel, aber sicherlich ist das Relegationsspiel ein ganz entscheidender Faktor dafür gewesen, dass es bislang in dieser Saison weitaus besser läuft. Wir haben in dieser Partie Kampf, Leidenschaft, also all die Tugenden an den Tag gelegt, die wir die Saison über oftmals haben vermissen lassen. Wir haben uns nach Rückstand nie unterkriegen lassen und bis zum Schluss gekämpft. Am Ende wurden wir dafür belohnt. Das Spiel hat letztlich jeden Einzelnen noch mal mehr motiviert. Ein anderes wichtiges Puzzlestück ist unser Rückkehrer Sascha Lautensack. Er hat in dieser Saison allein schon 13 Treffer erzielt. Die haben in der vergangenen Saison hinten und vorne gefehlt. Und letztlich hat auch das neue Trainerteam großen Anteil an unserem bisherigen Abschneiden. Und nicht zu vergessen: Das Glück, das uns in der letzten Saison oft gefehlt hat, war diesmal öfter auf unserer Seite.

Glück muss man sich allerdings auch erarbeiten. Wie zum Beispiel im Relegationsspiel. Sie können sicherlich nicht für jeden Einzelnen sprechen, aber wie ist das bei Ihnen, wenn es mal nicht so läuft, man allmählich resigniert. Erinnern Sie sich dann oft an diese Partie?

Offiziell ist das Spiel bei uns in der Mannschaft kein Thema mehr. In Vergessenheit wird es aber sicherlich niemals geraten. Ich bin mir sicher, dass sich der ein oder andere in gewissen Momenten oder Spielphasen schon daran erinnert, was man eigentlich vollbringen kann, wenn man an sich und das Team glaubt, und weiter kämpft. Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass wir in Milz schon immer diese Tugenden an den Tag gelegt haben. Uns zeichnet eher die mannschaftliche Kompaktheit aus. Wir haben noch nie zu den spielstarken Teams gezählt.

Zu Saisonbeginn, als die Milzer ganz oben standen, dachten sich viele: Naja, die werden die ersten drei, vier Spieltage mal die Sonne genießen, aber danach geht’s wieder runter in den Keller. Genau das ist nicht eingetreten. Hat sich dadurch etwas an der Zielstellung verändert?

Nein. Es geht nach wie vor um den Klassenerhalt. Die Liga ist so dicht beieinander, da kann schnell ganz viel passieren. Da reichen drei Niederlagen aus und du bist schon wieder mittendrin im Kampf um den Klassenerhalt. Dieser zweite Platz zur Winterpause darf jetzt nicht Anlass sein, überschwänglich zu agieren. Ich muss auch ehrlich gestehen, dass ich froh bin, dass wir nicht mehr auf eins stehen, weil wir da nicht hingehören. Ich sehe uns als eine gute Mittelfeldmannschaft. Als wir oben standen, hat dich jeder drauf angesprochen. Egal, wo du warst. Diese Situation hat die Mannschaft schon irgendwo belastet.

Sind die Erwartungen der Anhänger aufgrund dieses Tabellenstandes größer geworden? Wenn ja,wie geht die Mannschaft damit um?

Nein. Unsere Anhänger wissen das zum Glück richtig einzuschätzen. Die haben die Zeit in der Landesklasse super genossen. Egal wo wir waren, es waren immer mindestens zehn, fünfzehn Mann vor Ort. Sogar zu einem Spiel in Brotterode, obwohl wir da schon längst abgestiegen waren. Da hätten eigentlich alle sagen können: Mensch, ist Samstag, ich mach die Kreissäge an und mach daheim Holz. Haben sie aber nicht. Wie gesagt: Die haben die Zeit so wie wir auch genossen, wissen aber  auch, dass der Schuster bei seinen Leisten bleiben sollte. Sprich Kreisoberliga. Und unser Vorteil ist auch, dass unsere Anhänger das Ganze auch sehr humorvoll nehmen. Die haben sich sogar schon beschwert, dass man nicht mehr so viel meckern kann wie noch in der vergangenen Saison.

Das heißt: In Milz will man gar nicht mehr hoch? Selbst, wenn man es auf einen Aufstiegsplatz schaffen würde?

Aktuell ist der Aufstieg für uns überhaupt kein Thema. Wenn Sie mich aber nach meiner Meinung fragen, dann sage ich ganz klar, dass ich den Schritt nach oben gehen würde. Definitiv, sofort. Weil die Zeit, in der wir Landesklasse gespielt haben, auch wenn es nur ein Jahr war, trotzdem ein super Erlebnis war. Und als Fußballer will man so hoch wie möglich spielen. Den Ehrgeiz hat man einfach. Vor der Saison hatte ich auch zwei Angebote höherklassig zu spielen.

Sie sind aber nicht gewechselt. Warum?

Weil ich weiß, wie es bei uns personell aussieht. Und ich bin einfach Milzer. Ich bin mit dem Verein eng verbunden. In den vergangenen Jahren habe ich Milz zuliebe einiges ausgeschlagen. Und letztlich käme ich wohl mit den Konsequenzen nicht klar, obwohl ich mir sicher bin, dass ich es rein fußballerisch gepackt hätte. Umso schöner ist es ja dann aber eben, wenn du mit deinem Herzensverein oder Heimatverein, je nachdem wie man das jetzt nennen mag, aufsteigst.

Wer wollte Sie denn haben?

Das ist jetzt Wurst.

Sind Sie eigentlich gebürtiger Milzer?

Ja.

Und haben hier das Fußballspielen gelernt?

So kann man das sagen. Ich hab hier 1997 angefangen, bin dann aber nach zwei Jahren nach Haina gewechselt. Aus welchen Gründen auch immer.

Als Milzer nach Haina. Ist das nicht eine Todsünde?

Ach ja, mein Gott. Mittlerweile ist das alles nicht mehr so eng. Mein Vater hatte damals in Haina gespielt, und ich bin da dann halt auch hin. Allerdings auch nur zwei Jahre. Anschließend ging es nach Hinternah zum Erhard Mosert. Das war eine richtig coole Zeit. Wir sind damals Landesmeister mit den B-Junioren geworden. Im gleichen Jahr waren wir auch Landespokalsieger. Zudem haben wir die Nordostdeutsche Hallen- Landesmeisterschaft in Halle gespielt. Gegen Hertha, Cottbus und Rostock. Wenig später war ich auch Thüringer Auswahlspieler. René Eckhardt, Carsten Kammlott: Wir waren damals eine Truppe. Bei den A-Junioren hat sich das dann aber alles zerschlagen. Ich war dann noch beim Probetraining in Jena, aber leistungsmäßig hat es dann einfach nicht gereicht. Leider bin ich damals erst sehr spät mit 13 Jahren zum Mosert hin.

Leider heißt: Sie glauben, wenn der Sie vorher schon geschliffen hätte, würde man Daniel Eppler heute irgendwo in der  dritten Liga sehen?

Ob man mich dann heute dort sehen würde, kann ich nicht beurteilen. Ich denke aber, dass es für höherklassigen Fußball gereicht hätte. Ich bin aber in einem Alter nach Hinternah, in dem bereits andere Dinge im Leben immer mal wieder verlockender waren als der Fußball.

Bereuen Sie es ab und an, dass es nicht anders gelaufen ist?

Ab und an gibt es sicherlich Momente, wo man denkt, ach ja, wäre vielleicht schön gewesen, denke aber, dass es jedem Menschen im Leben so geht. Heute, als Erwachsener, kann ich rückblickend nur sagen, dass, wenn du in das Geschäft rein willst, dir alles drumherum egal sein muss. Die Mädels, Zigaretten, etc.

Standen Sie eigentlich schon immer im Tor?

Es heißt ja immer, der Dicke geht ins Tor. Das war damals auch bei mir der Fall. In Haina, bei den D-Junioren, habe ich als Feldspieler gespielt.

Welche Position?

Stürmer. Habe auch ein paar Tore geschossen. Ich war damals einer der Größten in meiner Altersklasse. Der Brecher vorne drin sozusagen.

Warum sind Sie dann wieder im Tor gelandet?

Mein Vater hat zum Glück zu mir gesagt: Junge, du hast die Luft nicht fürs Feld. Spätestens in Hinternah haben sie mir dann auch, zumindest was das Läuferische angeht, meine Grenzen aufgezeigt. Für mich war das dann Bestätigung, dass ich mit der Torwartposition alles richtig gemacht habe.

Ab und an sollte man eben doch auf den alten Herren hören. Welchen Ratschlag würden Sie der SG Veilsdorf geben? Tabellenletzter, zehn Punkte Rückstand auf einen Relegationsplatz. Gibt kaum noch welche, die einen Pfifferling auf die Keramiker setzen.

Relativ wenig. Aber, was ich ihnen raten würde, ist, niemals aufzugeben. Das Lied können wir in- und auswendig singen.  Wenn du dich aufgibst, hast du verloren.

Die Liga ist auch in dieser Saison sehr ausgeglichen. Einstige Top- Teams sind nur noch Mittelmaß. Woran liegt das? Ist die Liga, in der ein Aufsteiger mit 7:0 zum Auftakt gewinnt, so schwach?

Nein, das würde ich nicht sagen. Einige Teams wie die SG Veilsdorf sind eben gerade an einem Punkt, an dem sich der Kreis schließt. Du hast einfach deine Höhen und deine Tiefen. Das geht vielen Mannschaften so. Magerer Nachwuchs,  Führungsspieler, die ins Alter gekommen sind. Das sind alles solche Dinge ...

Wie sieht es in Milz mit dem Nachwuchs aus?

Wir haben kaum was hinten dran.

Wie groß sind da als Vorsitzender, der Sie inzwischen ja auch schon seit einem Jahr sind, die Sorgenfalten?

Wir haben was im E- und D-Juniorenbereich, allerdings dauert das auch noch mal fünf, sechs Jahre für den Männerbereich. Das ist schon ein brisantes Thema, sagen wir es mal so. Es ist auch kein Geheimnis, dass wir vor zwei Jahren eine Spielgemeinschaft mit Haina angestrebt haben. Das hat sich dann aber zerschlagen, weil es viele Gegenstimmen gab. Aber letztlich wird das der Trend für die Zukunft sein: Es wird immer weniger Vereine geben, die eigenständig agieren können.

Wie läuft die Vorbereitung ab?

Mitte Januar starten wir wieder ins Training. Mitte Februar geht es dann ins Trainingslager nach Nördlingen. Zwischendurch spielen wir auf dem Kunstrasenplatz in Hildburghausen gegen die Eintracht.

Was wird sich im Verletzten-Lazarett tun?

Stefan Peter, der zuletzt mit dem Knöchel zu kämpfen hatte, wird wieder zurückkehren. Daniel Sommer, und Nico Schwamm, der noch an einem Kreuzbandriss laboriert, werden hoffentlich ebenso wieder dabei sein. Wenn die drei zurückkommen, sind wir noch mal richtig gut aufgestellt für die zweite Saisonhälfte.

Was wünschen Sie sich für 2020?

Ich wünsche mir, dass wir weiterhin so gut zusammenarbeiten, die Zusammenarbeit vielleicht noch etwas verbessern sowie allen Gesundheit und dass ich im nächsten Jahr endlich mal Oliver Kahn treffe.

Ist er Ihr großes Idol?

Ja. Ich habe sämtliche Bücher von und über ihn daheim.

Uns ist auch zu Ohren gekommen, dass Sie ein Genussmensch sind.

Das ist tatsächlich richtig.

Schwarzwälder Kirschtorte oder Zupfkuchen?

Zupfkuchen.

Schwarzbacher oder Köstritzer?

Schwarzbacher, aber nur vom Fass.

Griechisch oder italienisch?

Ach, geht alles.

Und was gibt’s typischerweise an Heiligabend? Kartoffelsalat?

Ja, mit Wienern. Finde ich auch gut, denn am ersten und zweiten Feiertag wird ja dann auch immer gut gegessen.

Herr Eppler, zum Abschluss vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: In der zweiten Saisonhälfte kommt es für uns darauf an, dass wir ...

... unsere Trainingsintensität genauso hoch halten wie am Anfang der Saison; dass wir als Mannschaft zusammenstehen. Dann wird uns eine ähnlich erfolgreiche Runde bevorstehen.

 

Interview: Carsten Jentzsch

Quelle: Freies Wort, Lokalsport Hildburghausen vom 28.12.2019